LZ vom Samstag, 03.06.00:

Transgener Winterraps "nichts Illegales"

Blomberg (sb). Es war nur eine Mitteilung im Umweltausschuss. Doch die hat in der Politik hohe Wellen geschlagen: Auf einer privaten Fläche in Blomberg wird ab August transgener Winterraps ausgesät.

Die Firma Aventis Crop Science Deutschland mit Sitz in Frankfurt ist sich mit einem Blomberger Landwirt bereits einig geworden. Wie groß die Fläche sein wird, konnte Firmensprecher Wilhelm Glameyer auf LZ-Anfrage noch nicht genau sagen. Dies sei abhängig von den Ergebnissen der 99-er Aussaat. Und die wiederum lägen erst im Juli vor. Maximal werde das Feld mit dem genetisch veränderten Raps jedoch einen Hektar betragen, so Glameyer.

Aventis darf seit 1998 mit Genehmigung des Robert-Koch-Institutes in Berlin transgenes Pflanzenmaterial freisetzen. Insgesamt nutzt die Firma derzeit mehr als 25 Standorte mit transgenem Winterraps. Der Skepsis innerhalb der Bevölkerung und einiger Politiker werde sein Unternehmen gerne entgegen treten, sagte Aventis-Sprecher Glameyer. Auch ein Informationstreffen in Blomberg bot er an.

Unterdessen hat der Umweltausschuss nach Mitteilung von Bürgermeister Dr. Siegfried Pilgrim einen Fragenkatalog erarbeitet, den Avertis schriftlich beantworten soll. Der Hauptausschuss wird sich in öffentlicher Sitzung am 15. Juni mit der Thematik befassen.

Pilgrim bestätigte, dass die Stadt grundsätzlich nichts gegen Genversuche unternehmen könne: "Wir können nur appellieren", sagte der Bürgermeister. Ob sich Aventis jedoch davon beeindrucken lässt, steht auf einem anderen Blatt. Glameyer: "Wir machen nichts Illegales, nichts technisch Fragwürdiges. Insofern werden wir uns keinem Protest beugen."
 

Einfluss hat die Stadt jedoch darauf, was auf den eigenen Flächen angebaut wird. Darauf zielt ein Antrag der Grünen: "Auf den kommunalen Flächen in Blomberg soll künftig der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen ausgeschlossen werden", heißt es darin. In allen Verträgen müsse ein Gentechnik-Verzicht festgeschrieben werden. Auch die Landwirte sollten im Gespräch mit der Verwaltung möglichst von dem Verzicht überzeugt werden.

Grünen-Sprecher Hans-Ulrich Arnecke will mit dem Antrag ein Zeichen setzen gegen den Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft und der Nahrungsmittelproduktion und es damit der Stadt München gleich tun. Der dortige Stadtrat beschloss bereits im Februar 1999, auf Landwirtschaft ohne Gentechnik zu setzen. In der Gentechnik sehen die Blomberger Grünen "eine echte Risikotechnologie". Die Befürchtungen der Fraktion seien rein hypothetisch und eher unwahrscheinlich, hält Avertis-Sprecher Glameyer dem entgegen.

Auch die Wählergemeinschaft FBvB ist übrigens auf das Thema aufmerksam geworden. Sie hat sich in einem offenen Brief an Landrat Friedel Heuwinkel gewandt, um den aktuellen Stand von gentechnischen Freilandversuchen in Blomberg, Lippe und in ganz Nordrhein-Westfalen zu erfragen.